Interview

“Die Kamera ist nur das Handwerkszeug, ich bin
nur der Darstellende, gefordert ist die Phantasie des Betrachters“.

 

Interview der Zeitschrift „art photo akt“ mit dem Sarstedter Fotodesigner Jürgen Kirchhoff zu seinem Aktfotozyklus „Ansichtssache“

 

Frage 1: Herr Kirchhoff, Sie sind beruflich vorrangig mit Fotografie und
Laborarbeit beschäftigt, sagen Sie  uns bitte, welchen Stellenwert die Aktfotografie einnimmt und in welchem Verhältnis sie zur  beruflichen Fotografie steht ; welche Rolle spielt die Aktfotografie in Ihrem Leben?

 


Seit Jahrzehnten habe ich beruflich mit der Fotografie zu tun, in
unterschiedlichen Bereichen und mit unterschiedlicher Qualität und
Quantität. 1978 erhielt ich die Chance, bei einer Tageszeitung als
freischaffender Fotojournalist einzusteigen. Durch mein freiberufliches
Schaffen konnte ich meine Arbeiten auch bei anderen Verlagen anbieten, so
dass bisher weit über 10.000 Veröffentlichungen in den verschiedensten
internationalen Printmedien erscheinen konnten, darunter auch Kalender,
Buchillustrationen und diverse Titelfotos von Hochglanzillustrierten.

1988 eröffnete ich mein 120 qm großes Studio, das "CreativCentrum
für Photographie und Ausstellungen"- mit professionellem Equipment.
Nicht immer ist die Fotografie "aufregend", beispielsweise bei Aufnahmen von
Joghurtbechern, Konservendosen oder Frischkäsepackungen für die Werbung.
Aber stets ist sie kreativ. Und das hält sie jung, frisch und ideenreich.

Die Fotografie habe ich mir über die Jahre durch autodidaktisches Studium
und Seminare selbst beigebracht, inzwischen bin ich längst so weit, daß ich
mein Wissen in Workshops und an Kreisvolkshochschulen weitergeben kann.

Schon damals habe ich mein Faible u.a. für die Aktfotografie entdeckt,
ausschlaggebend war wohl auch, als ich las, dass die Aktfotografie zu den
schwierigsten fotografischen Themen gehört. Also dachte ich mir: wenn du das
beherrschst, dann kannst du den Rest auch.

Nach wie vor betreibe ich die Aktfotografie nicht aus kommerzieller Sicht,
sondern aus künstlerischen Antrieben heraus. Neben Auftragsarbeiten in
diesem Bereich realisiere ich überwiegend meine eigenen Ideen, die
entstandenen Fotos sind seit vielen Jahren auf zahlreichen Einzel- und
Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen, seit Dezember 1997 auch im
Internet unter "www.jueki.de" In der Internet-Zeitschrift "Tomorrow"
erschienen über meine Website sogar ein zwei kleine Berichte.

Die Aktfotografie (In- und Outdoor) betreibe ich stets zusammen mit meiner
Frau, die mich dabei in vielen Bereichen mit sehr viel Engagement und
Einfühlungsvermögen unterstützt und bei der Arbeit assistiert. Deshalb ist
die Aktfotografie für uns beide auch eine sinnvolle und kreative Art der
Freizeitgestaltung.

 

Frage2: Welche Fotografen haben Sie in Ihrer Aktfotografie beeinflußt und sind
für Sie am interessantesten?


 
Beeinflußt worden in meiner Interpretation des Themas Aktfotografie bin ich
durch alte Meister wie Edward Weston, Man Ray, Lucien Clergue, Peter Basch,
aber auch durch Helmut Newton oder Jeanloup Sieff. Doch ich bin der Meinung,
längst einen eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt zu haben. So bleiben
beispielsweise meine Modelle stets anonym, es werden keine Gesichter
abgelichtet. Auch hat die Schwarzweißfotografie bei mir einen recht hohen
Stellenwert.
Nicht gerade anfreunden kann ich mich mit Glamourfotografien wie sie der
"Playboy" oder ähnliche Magazine zeigen. Die Aufnahmen und Arrangements sind
dort in meinen Augen zu sehr "gekünstelt und geschönt" und realitätsfern.

Frage 3: Können Sie uns etwas über Ihre ästhetischen Grundpositionen sagen,  wie sehen Sie das Verhältnis Fotograf - Model, sehen Sie Unterschiede, wenn ein Mann eine  Frau fotografiert oder einen Mann; wenn eine Frau eine Frau fotografiert oder einen Mann? Diese Frage  auch bezogen auf Doppelakt Mann/Frau, Frau/Frau, Mann/Mann/ oder auch  Gruppenakt.
 
Bei meinen "Grundpositionen" orientiere ich mich gern an bekannten Gemälden,
Plastiken, Grafiken (auch Fotografien) oder typischen Tänzer- oder
Sportlerhaltungen. Dies gilt sowohl bei Einzelpersonen als auch beim
Doppelakt (Frau/ Mann - Frau/ Frau) und bei kleineren Gruppen. Mann/ Mann
habe und werde ich nicht fotografieren.

Zum Verhältnis Fotograf - Modell und zur Frage, ob es einen Unterschied
macht, ob ein Mann eine Frau oder einen anderen Mann fotografiert, kann ich
als "Normalo" sagen, dass ich natürlich lieber hübsche Frauen fotografiere
(es dürften in den Jahren wohl so an die 400 Modelle gewesen sein). Aber es
ist ebenso künstlerisch reizvoll, einen schönen Männerkörper abzulichten.
Aber hier musste ich mir erst Rat von meiner Frau holen, wie "Mann" aus
Frauensicht auf Fotos erotisch wirkt. Doch ich denke, dies ist mir in den
letzten Jahren recht gut gelungen.

Ich arbeite ausschließlich mit Amateurmodellen, überwiegend aus dem
Bekannten- und Freundeskreis. Von großem Vorteil ist es, wenn sich Fotograf
und Model gut kennen, denn so kann man sich besser aufeinander einstellen,
kennt die Arbeitsabläufe und die "kleinen Macken und Schrullen" des anderen.
Amateurfotografen auf der Suche nach geeigneten Modellen kann ich nur raten:
Umschauen und fragen. Man soll gar nicht glauben, wie viele Freunde und
Bekannte sich zu solchen Aufnahmen bereit erklären.


Frage 4: Wo, meinen Sie, wird die Grenze der künstlerischen Aktfotografie überschritten?

Die Aktfotografie, auch wenn sie schon weit über 150 Jahre alt ist, ist immer
noch eine Gratwanderung zwischen Kunst und Ästhetik auf der einen und einem
möglichen Abrutschen in Kitsch/ Klischées oder gar in Richtung anstößige
Fotografie (sprich Pornografie) auf der anderen Seite. Die Grenzen, an denen die künstlerische
Aktfotografie aufhört, sind sicher fließend. Während für den einen eine
entblößte Brust schon "Softpornografie" ist, ist für den anderen eine
männliche Erektion das Allernatürlichste der Welt (weil so alt wie die Menschheit!) Auch
kann es unterschiedliche Meinungen geben, wenn ein und dasselbe Foto von
einem Mann oder von einer Frau betrachtet und interpretiert wird.
Vielleicht habe ich auch aus diesem Grunde meinen Aktfotozyklus bewußt
provokativ "Ansichtssache" genannt.

Für mich persönlich und in meiner Arbeit sind die Grenzen dort erreicht, wo
es auf den Darstellungen zu klaren und eindeutig sexuellen Handlungen
kommt. Aber auch hier gehen in der Kunst die Meinungen auseinander, wenn man
beispielsweise in die Bildbände namhafter Fotokünstler von Weltruf schaut.

 
Jürgen Kirchhoff,

Mitglied im Deutschen Verband für Fotografie DVF


„ANSICHTSSACHE“ - EROTIC FINE ART NUDES

Die Freude am kreativen Schaffen,
verknüpft mit der Vielfalt an gestalterischen
Möglichkeiten, mit der Kamera Eindrücke der Umwelt
einzufangen, zu sammeln und zu verarbeiten, brachte mich vor
Jahren dazu, mich näher mit dem Medium “Photographie” zu beschäftigen.

Im autodidaktischen Studium erarbeitete ich mir
die nötigen Grundkenntnisse im Umgang mit der Kamera
sowie in der “zweiten Photographie”, der Laborarbeit in Color und S/W.

Mein Gestaltungsprozess umfasst die
gesamte Variationsbreite photographischer
Themen wie Natur- und Landschaftsaufnahmen voller
Romantik, Verfremdungstechniken, gewagte Photo-Experimente,
unkonventionelle Porträtaufnahmen bis hin zu kreativen Akt-Photographien.
In der “klassischen” S/W-Photographie sehe ich die Schwerpunkte meiner
Arbeit.

Durch das “Schärfen des photographischen Auges”
nehme ich unsere Umwelt viel bewußter wahr, durch das
“richtige Sehen”, gepaart mit einem kreativen Umsetzen, kann
das scheinbar “Bedeutungslose” einen höheren Stellenwert bekommen.